MotorVision // August 2008

Spritsparen – und zwar mit Knöpfchen

HeadUp-Display Wer trotz der derzeitigen Rekord-Spritpreise einigermaßen günstig Autofahren möchte, muss erfinderisch sein. An ein technisches Helferlein denken dabei die wenigsten: den Tempomaten. Diesen gibt es auch zum Nachrüsten. Motorvision klärt über Vor- und Nachteile solcher Systeme auf.

Das Fass Rohöl kostet in diesen Tagen 140 US-Dollar und mehr, und der daraus gewonnene Treibstoff ist dadurch entsprechend teuer. Ein Tankstopp fällt zwar in diesen Tagen immer schwerer, aber der flüssige Treibstoff will irgendwann nachgefüllt werden. Wenn ein Liter Superbenzin 1,50 Euro an den Tankstellen kostet, beschert das regen Zulauf, denn: „es ist ja gerade so günstig!“ Doch teuer ist das Tanken allemal.

Es gibt viele Möglichkeiten Treibstoff zu sparen. Zum Beispiel zu Fuß zum Briefkasten, mit dem Fahrrad zum Bäcker, in der S-Bahn zur Arbeit. Was jedoch, wenn der Briefkasten vor der Haustüre ist, und die Brötchen selber gebacken werden? Dann bleibt ja noch die S-Bahn; wenn im Ort ein Bahnhof wäre. Busverbindungen sind zwar vorhanden, aber die Busse fahren zu keiner angemessenen Uhrzeit. Also ist man auf ein Auto angewiesen. Es gibt jedoch große Unterschiede. In Größe, Leistung, Komfort und natürlich Verbrauch. Letztlich aber alles eine Frage des Geldbeutels.

Um selbigen zu schonen, möchte man natürlich irgendwie die Treibstoffausbeute erhöhen. Nur wie? Allen voran steht ein sparsames Auto, so kommt man an einem Kleinwagen kaum vorbei. Sind Dachbox, Zementsäcke aus dem Kofferraum und die fünf Deutschlandfähnchen entfernt, sollte man sich um ein frühes Hochschalten und rechtzeitiges „vom Gas gehen“ bemühen. Mit etwas Glück hält der Tankinhalt dann etwas länger als die Wasserflasche auf dem Bürotisch. Doch was für Möglichkeiten gibt es denn noch? Chiptuning? Flüssiggasumbau? Alles schon gemacht, sind jetzt also alle Mittel ausgereizt?

Luxus kann sparen helfen

Ein oft vergessenes Hilfsmittel beim Spritsparen wird oft in die Luxus und Komfortschublade gesteckt. Eine Geschwindigkeitsregelanlage, kurz GRA. Es gibt sie seit 1958, erstmals bei Chrysler als Cruise Control in Fahrzeugen eingebaut. Mercedes Benz brachte die Technologie dann 1962 unter dem geschützten Markennamen Tempomat auf den europäischen Markt. Viele höherwertige Fahrzeuge bieten eine GRA als Sonderausstattung oder haben sie bereits in Serie. Nur wie hilft das Gerät nun Spritsparen?

Im Grunde regelt diese Anlage auf verschiedene Art und Weise die Kraftstoffzufuhr so, dass das Auto eine vom Fahrer bestimmte Geschwindigkeit hält. Das passiert so kontinuierlich und feinfühlig, wie es kein auf Dauer ermüdender Fuß machen könnte. Ebenso hat die GRA nicht die Tendenz, sich vom Vordermann mitziehen zu lassen, so dass die gefahrene Geschwindigkeit unmerklich ansteigt. Möchte ich dieses Helferlein im Auto haben, besteht die Möglichkeit des Nachrüstens.

Head-Up-Display – Nützlich und sicher

HeadUp Display und GeschwindigkeitsreglerAls Beispiel soll hier ein Kleinwagen aus dem unteren Preissegment dienen. Ein Hyundai Getz, 1.3 Liter-Benziner mit 63 kW, das sind immerhin 86 PS. In diesem Fahrzeug ist zudem eine Flüssiggasanlage eingebaut, was dem Nachrüsten einer GRA aber nicht im Wege steht. Eingebaut wurde in diesem Beispiel eine Anlage des Herstellers Waeco vom Typ MS-700, mit Bedienhebel und einem Head-Up-Display zur besseren Kontrolle der Geschwindigkeit. Gesamtkosten des Systems: 492 Euro. Durch das Display ist die Geschwindigkeit permanent im unteren Bereich der Windschutzscheibe sichtbar. Nach kurzer Zeit der Eingewöhnung möchte man auf das Display nicht mehr verzichten. Selbst wenn man kurz auf die Anzeige fokussiert, hat man die Straße noch immer im Blick. Eine sehr nützliche Hilfe also.

Doch wie aufwändig oder einfach ist so ein Einbau? Das hängt ganz vom Fahrzeugtyp ab, denn da gibt es einige technische Fragen im Vorfeld zu klären. Das einfachste wäre, wenn das Auto über ein elektronisches Gaspedal verfügt. Das sogenannte E-Gas oder „Drive-by-wire“. Dann wird ein elektronisches Steuergerät auf das Fahrzeugsteuergerät gesteckt, das die Signale entsprechend der Einstellung des Fahrers verändert und an die Fahrzeugelektronik weitergibt. Diese regelt dann das Gas wie gehabt. Gibt es kein E-Gas, steuert ein Bowdenzug die Drosselklappe. In diesem Fall braucht die GRA einen kleinen Motor zur Hilfe, mit dem sie das Signal in eine mechanische Bewegung umwandelt. Es gibt zwei Möglichkeiten, wie der kleine Motor arbeitet. Mit Hilfe einer Unterdruckquelle oder elektrisch. Der Servomotor hat selbst einen kleinen Bowdenzug, der an dem des Gaspedals befestigt wird. Aktiviert man bei einer bestimmten Geschwindigkeit die Fahrhilfe, hält diese die Spannung des Zuges entsprechend aufrecht.

Warum die Mühe?

Wäre das alles, könnte ich ja genauso gut einen Keil in den Fußraum legen und dann das Pedal einklemmen. Aber weit gefehlt. Geht die Fahrt bergauf oder bergab, würde das Auto jetzt einfach langsamer beziehungsweise schneller werden. Die GRA misst permanent über ein Signal die Geschwindigkeit, und - wie der Name schon sagt - regelt über den Stellmotor das Gas, so dass die Geschwindigkeit auf dem eingestellten Wert bleibt.

So wählt man die für sich am besten geeignete Geschwindigkeit und stellt sie mit Hilfe des Bedienhebels am Lenkrad ein. Ein weiterer Vorteil ist, dass ich nicht unbemerkt schneller werde und Gefahr laufe, in eine Radarfalle zu tappen. Besonders im fließenden Berufsverkehr kann der Tempomat eine Entlastung darstellen. Durch die konstante Fahrweise kommt man selbst entspannter ans Ziel, aber auch die anderen Verkehrsteilnehmer werden dadurch nicht „gehetzt“.

Das Head-up Display wird lediglich mit einem Kabel an das Tachosignal angeschlossen und auf der Ablage der Fahrerseite befestigt. Auf die Windschutzscheibe kommt innen eine kleine Folie, die für eine bessere Darstellung sorgt. Für den Einbau benötigt man nicht länger als 30 Minuten. Im Übrigen funktioniert das Waeco-Display auch ohne eine GRA.

Nur Vorteile? Auch Vorsicht!

Es gibt bei der Benutzung einer GRA auch einige Dinge zu beachten. Auf keinen Fall kann die Fahrhilfe den aufmerksamen Fahrer ersetzen. Das Verkehrsgeschehen vor einem muss trotz aller Entspannung immer im Auge behalten werden. Sollte der Vordermann plötzlich langsamer werden, bremst eine herkömmliche Anlage nicht automatisch ab, daher sollte der schnelle Tritt nach dem Bremspedal immer möglich sein. Das bedeutet, dass der Fuß nicht zur Entspannung auf die Mittelkonsole gelegt werden kann, sondern an seinem Platz in der Nähe der Pedale bleiben muss. Dass Gas und Bremse nicht gegeneinander arbeiten, überwachen Sensoren. Bei Betätigung von Bremse oder Kupplung schaltet die GRA ab. In der Regel wird die eingestellte Geschwindigkeit allerdings gespeichert, und kann auf Knopfdruck wieder abgerufen werden, so dass das Auto selbstständig wieder Fahrt aufnimmt. Erhöhte Wachsamkeit ist auch bei Nässe, Glätte oder zu dichtem Verkehr geboten. In diesen Fällen sollte der Helfer zur Sicherheit besser ausgeschaltet bleiben.

Bleibt nur noch die Frage offen, ob das Nachrüsten besser in einer Werkstatt oder der heimischen Garage stattfindet. Im Grunde stellt der Einbau keine sehr große Herausforderung dar, ein gewisses Grundwissen über Fahrzeugelektronik und Mechanik sind aber unverzichtbar. Trotz einer sehr detaillierten Einbauanleitung, die keine Fragen offen lässt, arbeitet man hier doch an sensiblen Bereichen des Fahrzeugs. Wenn hier Fehler gemacht werden, kann das zu unangenehmen Konsequenzen führen. Wer sich eine solche Operation nicht zutraut, wird vom Hersteller der Anlage sehr gut beraten oder auf Wunsch auch in eine Fachwerkstatt in seiner Nähe vermittelt.

Nachtrag

Nach nun etwa einem Monat Pendeln mit fast. 2.800 Kilometern und fünf Tankfüllungen gibt es folgende Erfahrung zu berichten. Der Weg besteht einfach aus zwei Kilometer Ortschaft, dann fünf Kilometer Landstraße und im Anschluss 40 Kilometer Autobahn mit einem krönenden Abschluss von drei Kilometer Ortsdurchfahrt. Das sind ziemlich genau 50 Kilometer Weg. Bei den Fahrten auf der Autobahn wurde, wo möglich, die Richtgeschwindigkeit von 130 km/h eingehalten. Seit Anfang März wurde kontinuierlich der Verbrauch aufgezeichnet. Und siehe da: Im Schnitt verbraucht der Hyundai fast ein Liter weniger Treibstoff auf hundert Kilometer. Das macht auf diese fünf Tankfüllungen rund 14 Euro Ersparnis bei LPG. Auf den ersten Blick ist das nicht viel, das macht bei einer Jahreslaufleistung von 30.000 Kilometern einen Geldvorteil von rund 160 Euro. Mit Benzin läge die Kostensenkung sogar bei 330 Euro im Jahr. So hätten sich die Anschaffungskosten also nach etwa 18 Monaten amortisiert. Sicherlich ist das abhängig vom persönlichen Fahrstil. Wer jedoch mit Ehrlichkeit und dem nötigen Ergeiz an die Sache rangeht, spart Geld, und zwar mit Knöpfchen.

Christian Rumpel

Quelle: http://www.motorvision.de/

 


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